
Der österreichische Markt für Fremdwährungskredite an private Haushalte ist nahezu ausgetrocknet. Laut aktueller Erhebung der Finanzmarktaufsicht (FMA) sank das wechselkursbereinigte Volumen im ersten Quartal 2026 um weitere 4,0 Prozent auf 5,09 Milliarden Euro. Damit entfallen nur noch 2,8 Prozent aller Kredite an private Haushalte auf Finanzierungen in Fremdwährung. Vor rund zwei Jahrzehnten zählte dieses Segment noch zu den Wachstumstreibern im Kreditgeschäft der Banken.
Auslöser für den Rückzug war der von der FMA im Herbst 2008 verhängte Neuvergabestopp für Fremdwährungskredite. Seit damals ist das Volumen dieser Kredite wechselkursbereinigt um 44,4 Milliarden Euro oder 92 Prozent geschrumpft. Auf dem Höhepunkt des Booms im Jahr 2006 waren nach FMA-Angaben fast ein Drittel (32 Prozent) aller aushaftenden Haushaltskredite in Fremdwährung denominiert. In der Finanzkrise 2008 entwickelte sich diese Konzentration zu einem Risiko für den gesamten österreichischen Bankensektor.
Heute bestehen praktisch alle verbliebenen Fremdwährungskredite – 99,1 Prozent – in Schweizer Franken, der Rest entfällt nahezu vollständig auf Kredite in japanischen Yen. Damit bleibt für Kreditnehmer das Wechselkursrisiko zentral. Der Schweizer Franken notierte im ersten Quartal 2026 im Durchschnitt bei rund 0,9194 je Euro; seit 2008 hat er gegenüber der Gemeinschaftswährung um etwa 80 Prozent aufgewertet. Diese deutliche Aufwertung hat in der Vergangenheit die Schuldenlast vieler Kreditnehmer erhöht, die ursprünglich auf Zinsvorteile gesetzt hatten.
Die FMA geht davon aus, dass der überwiegende Teil der noch aushaftenden Fremdwährungskredite zwischen 2029 und 2033 endfällig wird. Die Aufsicht fordert Banken auf, proaktiv zumindest einmal jährlich das Gespräch mit betroffenen Kundinnen und Kunden zu suchen. Kreditnehmer wiederum sollten diese Angebote nachdrücklich wahrnehmen, um rechtzeitig Optionen zur Risikobegrenzung – etwa Laufzeit- oder Strukturänderungen – zu prüfen. Damit könnte der lange, bereits seit der Finanzkrise laufende Abbau der Fremdwährungsengagements in den kommenden Jahren geordnet zu Ende geführt werden.

Der taiwanesische Technologiekonzern Ennoconn Corporation hat seine Beteiligung an der Kontron AG auf über 30 Prozent der Stimmrechte ausgebaut und damit ein Pflichtangebot an die übrigen Aktionäre des Linzer Unternehmens ausgelöst. Wie Kontron mitteilte, plant Ennoconn, den Anteilseignern 23,50 Euro je Aktie in bar zu bieten. Das Papier der auf industrielle IT- und IoT-Lösungen spezialisierten Kontron ist an der Frankfurter Wertpapierbörse unter der ISIN AT0000A0E9W5 (WKN A0X9EJ) notiert.
Der Angebotspreis liegt Kontron zufolge 2,4 Prozent über dem Schlusskurs vom 9. Juni 2026 und nur geringfügig über dem gesetzlich vorgeschriebenen Mindestpreis von 23,48 Euro, auf den Ennoconn verweist. Kontron kündigte an, das Pflichtangebot, insbesondere die Angemessenheit der Konditionen, im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben zu prüfen und dazu Stellung zu nehmen. Bereits seit gut einem Monat hatte das Management die Möglichkeit eines Übernahmeangebots in Aussicht gestellt, nachdem sich die Beteiligung von Ennoconn schrittweise erhöht hatte.
Im Vorfeld hatte Kontron ein Aktienrückkaufprogramm („Aktienrückkaufprogramm I 2026“) aufgelegt, im Rahmen dessen bis 5. Juni insgesamt 1.371.736 eigene Aktien zurückerworben wurden. Angesichts des anstehenden Pflichtangebots wird dieses Programm nun mit sofortiger Wirkung bis zur Durchführung des Angebots pausiert. Der Rückkauf war über ein beauftragtes Kreditinstitut an verschiedenen Handelsplätzen umgesetzt worden; Details zu den Transaktionen stellt Kontron auf seiner Investor-Relations-Website zur Verfügung.
Kontron-CEO Hannes Niederhauser hat signalisiert, dass er dem neuen Großaktionär nicht andienen will: Er werde das Pflichtangebot für seinen eigenen Anteil von rund 2,2 Prozent des Grundkapitals – das entspricht 1.393.963 Aktien – nicht annehmen, erklärte er. An der Börse reagierte der Markt zunächst verhalten: Die Kontron-Aktie schloss im Xetra-Haupthandel bei 22,40 Euro, zog im nachbörslichen Handel auf der Plattform Tradegate im Zuge der Nachricht jedoch auf 23,22 Euro an. Wie sich andere institutionelle und private Investoren gegenüber dem Angebot positionieren, bleibt vorerst offen.