
Künstliche Intelligenz hat in den vergangenen Jahren bei Sprachverarbeitung und Fotogenerierung rasant aufgeholt. In einem Bereich bleibt sie jedoch deutlich zurück: beim künstlerisch-kreativen Zeichnen. Das zeigt eine im Fachjournal „Advanced Science“ veröffentlichte Studie eines Forschungsteams der Universität Barcelona mit Beteiligung von Wissenschaftern der Universität Wien. In standardisierten Zeichenaufgaben schnitten Menschen klar besser ab als ein KI-System – selbst Personen ohne künstlerische Ausbildung lagen vor den Algorithmen.
Die Forscherinnen und Forscher um Erstautorin Silvia Rondini und Co-Studienleiter Xim Cerdá-Company untersuchten, wie gut generative KI mit visuell-kreativen Aufgaben zurechtkommt. Während große Sprachmodelle und Bildgeneratoren in vielen Anwendungsfeldern Ergebnisse erzielen, die mit menschlichen Leistungen vergleichbar sind, sei das Potenzial der Systeme beim Zeichnen bislang kaum empirisch analysiert worden, schreiben die Autoren. Aus Wien waren unter anderem Paula Angermair Barkai und Matthew Pelowski von der Fakultät für Psychologie beteiligt.
Für das Experiment erhielten unterschiedliche Gruppen identische, stark reduzierte visuelle Reize: meist einzelne oder wenige Linien auf weißem Hintergrund, die als Ausgangspunkt für Zeichnungen dienten. Insgesamt nahmen 272 bildende Künstlerinnen und Künstler sowie 276 Personen ohne künstlerische Ausbildung teil. Parallel wurden ein mit menschlichen Zeichnungen trainiertes KI-System unter zwei Bedingungen – einmal mit menschlicher Unterstützung, einmal als autonomer Agent – denselben Aufgaben ausgesetzt. Die so entstandenen Bilder wurden anschließend bewertet, wobei das Urteil „sehr eindeutig pro Mensch“ ausfiel.
Die Ergebnisse sind in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Zum einen zeigen sie, dass selbst laienhafte Zeichnerinnen und Zeichner das KI-System im kreativen Umgang mit minimalen visuellen Stimuli übertreffen. Zum anderen deuten die Resultate darauf hin, dass der aktuelle Vorsprung generativer Modelle in text- und fotobasierten Anwendungen nicht ohne Weiteres auf alle Formen kreativer Produktion übertragbar ist. Für die weitere Entwicklung von KI in künstlerischen Bereichen bleibt damit offen, wie sich Algorithmen an Aufgaben annähern können, die stark von menschlicher Vorstellungskraft, Kontextdeutung und ästhetischer Intuition geprägt sind.

Der Halbleiter- und Lichtkonzern ams-Osram stellt sein Geschäftsportfolio neu auf und setzt dabei verstärkt auf Wachstumsmärkte wie Komponenten für Augmented-Reality-Brillen und intelligente Lichttechnologien. Vorstandschef Aldo Kamper bezeichnete den Verkauf der nicht optischen Sensorsparte an Infineon als wichtigen Schritt, um das Unternehmen „für die Zukunft aufzustellen“. Die Transaktion soll dem Konzern 570 Millionen Euro einbringen und nach aktueller Planung zum 1. Juli abgeschlossen werden.
Mit dem Verkauf trennt sich ams-Osram von einem Geschäftsbereich, der rund sieben Prozent zum Konzernumsatz beigesteuert hat, reduziert im Gegenzug aber die eigene Verschuldung deutlich. Laut Kamper kann die Schuldenlast um etwa ein Drittel gedrückt werden, die jährlichen Zinszahlungen sollen in den kommenden Jahren von rund 300 Millionen Euro auf etwa die Hälfte sinken. Der so gewonnene finanzielle Spielraum soll in den Ausbau bestehender Geschäftsfelder und in neue Produkte fließen.
Im Zentrum der Wachstumsstrategie stehen Komponenten für Augmented-Reality-Brillen. Bereits heute liefert ams-Osram Sensorelemente an Hersteller solcher Systeme, wenn auch in nach Kamps Worten noch „überschaubarem“ Ausmaß. Mittelfristig rechnet der CEO mit einem stark wachsenden Markt: Anfang der 2030er-Jahre hält er weltweit jährlich 50 bis 100 Millionen verkaufte AR-Brillen für denkbar, ab der Mitte des Jahrzehnts möglicherweise mehr. AR-Brillen sollen reale Umgebungen erweitern, Navigationsinformationen einblenden, Gesichtserkennung ermöglichen oder Vitalparameter überwachen; Nutzungsszenarien sieht Kamper in großer Bandbreite.
Parallel dazu baut ams-Osram digitale Photonik- und LED-Lösungen aus, etwa hochauflösende und „intelligente“ Scheinwerfer, die bereits im Automotive-Bereich im Einsatz sind. Dieses Geschäft bringt derzeit Erlöse im zweistelligen Millionenbereich ein, bis 2028 peilt das Management einen Umsatz von mehr als 100 Millionen Euro an. Weitere Zukunftschancen sieht der Konzern in Lasersystemen für den Rüstungssektor, wo ebenfalls mit zusätzlichem Wachstum gerechnet wird.
Für den Hauptstandort Premstätten in der Steiermark erwartet das Unternehmen trotz der Portfoliobereinigung keine einschneidenden Einschnitte. Nach Abschluss der Infineon-Transaktion sollen 70 Beschäftigte aus der Entwicklung an den Grazer Infineon-Standort wechseln, während Infineon vorerst weiterhin aus dem Werk in Premstätten beliefert wird. ams-Osram bleibt damit auf absehbare Zeit als Auftragsfertiger aktiv. Die Mitarbeiterzahl am Standort soll von derzeit etwa 1.450 bis 2030 auf 1.550 steigen, gestützt von Förderzusagen der Republik Österreich von bis zu 227 Millionen Euro, unter anderem aus dem EU Chips Act.