Studienbeiträge auf Zeit? Hagele präsentiert Modell für autonome Unigebühren

10.06.2026


In der laufenden Debatte um geplante Kürzungen beim österreichischen Universitätsbudget sorgt ein Vorstoß aus Tirol für neue Spannungen in der Landespolitik. Die Tiroler ÖVP-Bildungs- und Wissenschaftslandesrätin Cornelia Hagele fordert, Universitäten sollten – analog zu Fachhochschulen – künftig selbst entscheiden können, ob sie „moderate und sozial abgefederte Studienbeiträge“ einheben. Die Einnahmen müssten zweckgebunden an den jeweiligen Standorten eingesetzt werden, etwa für bessere Betreuung, moderne Infrastruktur, zusätzliche Lehrangebote und den Ausbau von Studienplätzen.

Hagele positioniert ihren Vorschlag ausdrücklich als Ergänzung zur bestehenden Finanzierung, nicht als Rückkehr zum früheren österreichweiten Modell allgemeiner Studiengebühren. Keine Universität solle verpflichtet werden, Gebühren zu verlangen, betont sie. Vielmehr solle es im Rahmen der Hochschulautonomie jeder Institution überlassen bleiben, ob ein solcher Beitrag für Standort, Studienangebot und strategische Weiterentwicklung sinnvoll sei. Als Gegenstück verlangt sie ein „starkes System“ an Stipendien, Gebührenbefreiungen und Rückerstattungen für Studierende mit geringem Einkommen, um soziale Härten abzufedern.

Der Ansatz zielt damit auf zwei Ebenen: Er soll Universitäten unter Budgetdruck ein zusätzliches Steuerungsinstrument für Qualität in Studium und Lehre bieten und zugleich soziale Durchlässigkeit sichern. Hagele argumentiert, dass zweckgebundene Beiträge helfen könnten, die Ausstattung der Hochschulen zu verbessern und zusätzliche Studienplätze zu schaffen, ohne alle Häuser in ein einheitliches Gebührenregime zu zwingen. Die Entscheidungshoheit über das Ob und Wie der Beiträge läge bei den jeweiligen Rektoraten.

Aus dem Tiroler Koalitionspartner SPÖ kommt jedoch umgehend ein kategorisches Nein. Bildung sei in Österreich „maßgeblich vererbt“, hält der sozialdemokratische Bildungssprecher im Landtag, Benedikt Lentsch, entgegen. Die Abschaffung der Studiengebühren sei ein wichtiger Schritt gewesen, um dieser sozialen Vererbung entgegenzuwirken. Finanzielle Möglichkeiten dürften kein Ausschlussgrund für ein Studium sein, Bildung müsse für alle erreichbar bleiben, so Lentsch. Das Wiedereinziehen „ungerechter Hürden“ sei nicht zu rechtfertigen – auch nicht mit Verweis auf Budgetzwänge.

Damit prallen in Tirol zwei grundlegend unterschiedliche Zugänge zur Universitätsfinanzierung aufeinander: Auf der einen Seite ein ÖVP-Modell, das auf Autonomie der Hochschulen und zweckgebundene Beiträge setzt, auf der anderen Seite eine SPÖ, die Gebührenfreiheit als zentrale Voraussetzung für Chancengleichheit verteidigt. Wie sich der Konflikt in der Landeskoalition auf die bundesweite Diskussion über die Finanzierung der Universitäten und eine mögliche Öffnung hin zu fakultativen Studienbeiträgen auswirkt, bleibt vorerst offen.

Ziegel neu gedacht: BRICK AWARD 26 zeigt Trend zu klimafreundlicher Architektur

15.06.2026


Bei der Verleihung des BRICK AWARD 26 in Wien hat ein vietnamesisches Projekt den Ton für die internationale Ziegelarchitektur vorgegeben: Der Đạo Mẫu-Tempel mit angeschlossenem Museum wurde mit dem Grand Prize ausgezeichnet. Das Gebäude, das laut Veranstalter CO2-negativ errichtet wurde, setzt auf lokale Tonziegel und gilt als besonders ressourcenschonend. Die Gala in der österreichischen Hauptstadt zeigte, wie weit das Spektrum zeitgenössischer Keramikarchitektur inzwischen reicht – von religiösen Stätten in Asien bis zu Industrieanlagen in Lateinamerika.

Der BRICK AWARD wird seit 2004 alle zwei Jahre vergeben und versteht sich als herstellerunabhängige Plattform für Architekturbüros, die mit Ziegeln und Keramik arbeiten. Ausrichter ist der Baustoffkonzern Wienerberger, der mit dem Preis ein internationales Netzwerk von Pionieren der Ziegelarchitektur bündelt. Prämiert wird in fünf Kategorien: „Feeling at home“ für Einfamilienhäuser und kleinere Projekte, „Living together“ für städtische Wohnanlagen, „Working together“ für Gewerbe- und Industriebauten, „Sharing public spaces“ für öffentliche Gebäude und Räume sowie „Building outside the box“ für besonders innovative Ansätze.

Auf der Ebene der Einzelkategorien spiegelten die diesjährigen Gewinner zentrale Branchentrends wider. In der Kategorie „Feeling at home“ wurde ein offenes Einfamilienhaus auf Mallorca ausgezeichnet, das mithilfe speziell gesetzter Wände den Meerblick maximiert und zugleich Privatsphäre schafft. „Living together“ entschied ein gemischt genutztes Gebäude in Barcelona für sich, das nachhaltige Ziegel mit einem sozialen Innenhof kombiniert und damit auf dichte, aber gemeinschaftlich orientierte Stadtentwicklung setzt. In „Working together“ ging die Auszeichnung an ein Lager- und Bürogebäude in Mexiko, das lokale Keramik und vulkanisches Material integriert und so industrielle Nutzung und regionale Baustoffe verbindet.

Erstmals vergab die Jury zusätzlich einen Sonderpreis für innovatives gemeinschaftliches Wohnen. Dieser ging an ein Projekt in Belgien, das wiederverwendete Ziegel einsetzt, um eine nachhaltige Nachbarschaft zu schaffen. Der Fokus auf Recycling, CO2-Reduktion und lokale Materialien zieht sich damit durch zentrale Gewinnerprojekte des BRICK AWARD 26. Für Wienerberger, dessen Aktie zum Zeitpunkt der Meldung bei 22,71 Euro notierte, schärft die Auszeichnung zugleich das Profil als global vernetzter Akteur im Bereich Ziegel- und Keramiklösungen – mit dem nächsten Termin im Finanzkalender, der Quartalsmitteilung am 12. August 2026, bereits in Sichtweite.