Zuckerrübenkrise in Mitteleuropa: Agrana stützt Markt mit Lagerbeständen

08.10.2026


Der österreichische Zuckerproduzent Agrana rechnet heuer infolge der anhaltenden Trockenheit mit einem Einbruch der heimischen Zuckerrübenernte um bis zu 40 Prozent. Statt 1,9 Millionen Tonnen Rüben im Vorjahr erwartet der Konzern lediglich rund 1,1 Millionen Tonnen aus Österreich. Die gesamte Ernte wird in der Zuckerfabrik im niederösterreichischen Tulln verarbeitet, die damit nach den jüngsten Werkschließungen noch stärker zur zentralen Drehscheibe der heimischen Zuckerproduktion wird.

Trotz der geringeren Rohstoffmenge sieht Vorstandschef Stephan Büttner keine Anzeichen für Versorgungsprobleme. Agrana verfüge über ausreichende Lagerbestände und müsse keinen Zucker am Markt zukaufen, sagte er der APA zufolge. Aus der heurigen Rübenernte sollen rund 200.000 Tonnen Zucker entstehen, nach etwa 310.000 Tonnen im Produktionszeitraum von Herbst 2025 bis Jänner 2026. Die laufende Kampagne in Österreich dauert üblicherweise von September bis November.

Auch in den übrigen Märkten des Konzerns hinterlässt die Dürre Spuren. Die vier weiteren Zuckerfabriken in Zentral-, Ost- und Südosteuropa erhalten ebenfalls deutlich weniger Rüben zur Verarbeitung. Gleichzeitig haben sich die Marktbedingungen auf der Preisseite gedreht: An den internationalen Warenterminbörsen legte der Zuckerpreis in den vergangenen drei Monaten von einem Rekordtief ausgehend um rund 40 Prozent zu. Agrana sieht sich dadurch in der Lage, den Handel "ganz normal" zu beliefern, wie Büttner betont.

Das Zuckergeschäft hatte das Unternehmen im Geschäftsjahr 2025/26 noch tief in die Verlustzone gedrückt. Niedrige Zuckerpreise führten im März 2025 zur Einstellung der Zuckerproduktion an den Standorten Leopoldsdorf im Marchfeld und Hrušovany in Tschechien, der Konzern wies für das Jahr einen Verlust von 35,6 Millionen Euro aus. In der Folge sank die Mitarbeiterzahl um rund 600 auf 8.400 Beschäftigte. Inzwischen zeigt die Ergebnislinie wieder nach oben: Das Halbjahresergebnis kletterte von 1,1 auf 37,5 Millionen Euro bei einem stabilen Umsatz von 1,7 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr 2026/27 stellt Agrana ein Betriebsergebnis deutlich über dem Vorjahr in Aussicht und nennt eine Bandbreite von 90 bis 110 Millionen Euro, während der Konzern den Schwerpunkt weiter auf die Integration der Beteiligungen Austria Juice und Mercator-Emba legt.

Elektro-Offensive trägt Mercedes-Benz – trotz Absatzminus in China

08.10.2026


Mercedes-Benz verzeichnet ein zunehmend zweigeteiltes Bild seiner weltweiten Fahrzeugverkäufe. Während die Konzernzahlen im dritten Quartal 2026 global rückläufig waren, meldet die Indien-Tochter ein Rekordquartal. In Indien setzte Mercedes-Benz im Zeitraum Juli bis September 5.422 Fahrzeuge ab, ein Plus von 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr und zugleich der beste Quartalswert in der Geschichte des Unternehmens im Land. Von Januar bis September summierten sich die Verkäufe dort auf 15.190 Einheiten, rund 8 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Auf Konzernebene dagegen schrumpften die Auslieferungen im gleichen Quartal. Weltweit setzte Mercedes-Benz 491.700 Pkw und leichte Nutzfahrzeuge ab, ein Minus von 6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im Pkw-Geschäft allein sanken die globalen Verkäufe um 8 Prozent auf 407.200 Einheiten. Besonders belastend wirkte die Entwicklung in Asien und hier vor allem in China: In der Volksrepublik gingen die Pkw-Verkäufe um knapp ein Drittel auf 86.800 Fahrzeuge zurück, konzernweit meldete der Hersteller für Asien ein Minus von 25 Prozent auf 132.300 Autos. Ein Zuwachs in Europa und Nordamerika reichte nicht aus, um die Schwäche in China zu kompensieren.

Kontrastreich präsentiert sich auch das Bild in den oberen Preissegmenten. In Indien trugen Top-End-Luxusmodelle – darunter S‑Klasse, Mercedes‑Maybach, EQS Maybach SUV, G‑Klasse, V‑Klasse und AMG‑Modelle – maßgeblich zum Wachstum bei: Diese Klasse legte dort im Jahresvergleich um mehr als 13 Prozent zu und kam auf über ein Viertel des Gesamtabsatzes. Innerhalb dieses Segments nutzten laut Unternehmen fast drei Viertel der Kunden das MANUFAKTUR‑Personalisierungsprogramm. Die Performance-Marke AMG steigerte ihre Auslieferungen in Indien um mehr als 18 Prozent, das AMG G 63 erzielte den höchsten monatlichen Absatz seit Markteinführung. Global hingegen verzeichnete Mercedes-Benz im teuersten Segment aus S‑Klasse, Maybach und AMG ein deutliches Minus von gut 20 Prozent im dritten Quartal.

Stärker als die Verbrenner legten weltweit die batterieelektrischen Modelle zu. Vertriebs- und Marketingvorstand Mathias Geisen sprach von dem höchsten Quartalsabsatz vollelektrischer Pkw in der Unternehmensgeschichte; in Europa war nahezu jedes dritte verkaufte Auto rein elektrisch. Der elektrische GLC trug dabei überproportional zum Wachstum bei und vervielfachte seine Verkäufe gegenüber dem zweiten Quartal. In Indien setzt der Konzern seinen Fokus ebenfalls auf Elektrifizierung: Dort stehen die Markteinführung einer elektrifizierten S‑Klasse mit Auslieferungsstart Mitte Oktober sowie die Premiere des GLC BEV Anfang November an, die das Portfolio am Subkontinent weiter ausbauen sollen.

Die Transportersparte Vans erwies sich zuletzt als Stabilitätsanker. Mit einem Plus von 1 Prozent auf 84.400 Fahrzeuge hielt sich das Segment im dritten Quartal nahezu auf Vorjahresniveau. Insgesamt aber bleibt der Druck auf das Kerngeschäft hoch, da der Wettbewerb im wichtigen Markt China nach Konzernangaben intensiv und das Umfeld weiterhin schwierig ist. In dem Land gehören der GLC und die E‑Klasse zu den meistverkauften Baureihen des Herstellers und machen dort fast zwei Drittel der Pkw-Verkäufe aus. Die anhaltende Schwäche in China, die bereits im zweiten Quartal mit einem Absatzminus von rund 30 Prozent sichtbar war, unterstreicht für Mercedes-Benz die Bedeutung eines breiter diversifizierten Wachstums – mit Märkten wie Indien, in denen das Premium- und Luxusgeschäft derzeit gegensätzlich zum Trend zulegt.