
Der aktuelle El-Niño-Zyklus steuert nach Einschätzung internationaler Wetter- und Klimainstitutionen auf eine außergewöhnliche Stärke zu. Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO), eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen, erwartet, dass sich das Ereignis in den kommenden Monaten weiter verstärkt und seinen Höhepunkt im Dezember erreicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass El Niño bis Februar 2027 anhält, liegt laut WMO nahezu bei 100 Prozent. Damit könnte es sich um eine der intensivsten Episoden seit Beginn systematischer Aufzeichnungen Mitte des 20. Jahrhunderts handeln.
El Niño beschreibt die natürliche Erwärmung der Meeresoberfläche im zentralen und östlichen äquatorialen Pazifik. Diese Region, als Niño‑3.4 bekannt, ist für die Stärke des Phänomens entscheidend – und sie ist derzeit so warm wie nie seit Beginn der Messungen. Nach Daten der Plattform „Climate Reanalyzer“ der University of Maine überschritt die durchschnittliche Oberflächentemperatur dort Anfang Oktober erstmals die Marke von 30 Grad Celsius und lag damit 3,39 Grad über dem Referenzzeitraum 1991 bis 2020. Klimaphysiker Helge Gößling vom Alfred-Wegener-Institut spricht angesichts dieser Werte von einem außergewöhnlichen „Super“-Ereignis und verweist darauf, dass selbst die starken El Niños der Jahre 1997 und 2015 in dieser Jahreszeit mehr als ein Grad kühler waren.
Die WMO prognostiziert, dass die Meeresoberflächentemperaturen im zentralen und östlichen tropischen Pazifik in den Monaten Oktober, November und Dezember Rekordwerte erreichen werden. „Das Meer, aus dem El Niño seine Wärme bezieht, ist das wärmste, das wir je beobachtet haben“, heißt es in ihrem jüngsten saisonalen Bulletin vom 8. Oktober. Diese ungewöhnlich hohe Ozeanwärme dürfte die globalen Wetter- und Klimamuster maßgeblich prägen und die Auswirkungen der menschengemachten Erwärmung zusätzlich verstärken.
Nach Einschätzung der WMO ist in den kommenden Monaten weltweit mit Temperaturen über dem langjährigen Mittel zu rechnen. Zugleich werden sich Niederschlagsmuster verschieben, was das Risiko von Dürren in manchen Regionen und Überflutungen in anderen erhöht. Erste Effekte sind bereits sichtbar: In Teilen Zentralamerikas werden ungewöhnlich trockene Bedingungen gemeldet, während in Indien starke Störungen der Wetterabläufe die landwirtschaftliche Produktion erschweren. Insgesamt rechnen Forscher damit, dass das sich rasch verstärkende El-Niño-Ereignis in den kommenden Monaten erhebliche Auswirkungen auf Volkswirtschaften, Ökosysteme und Gemeinschaften rund um den Globus haben wird.

Eine Podiumsdiskussion der Wiener FPÖ zum Titel „Der Preis des Klimakommunismus – Wer zahlt die Zeche?“ sorgt in der Stadtpolitik für erheblichen Wirbel. Die Freiheitliche Akademie Wien, das Freiheitliche Bildungsinstitut und der FPÖ-Rathausklub laden am 6. Oktober in die Volkshalle des Wiener Rathauses und holen dafür James Taylor, Präsident des US-amerikanischen Heartland Institute, nach Wien. Taylor gilt seit Jahren als prominenter Akteur der internationalen Szene, die den menschengemachten Klimawandel in Zweifel zieht, und steht seit Langem in der Kritik, weil seine Organisation nachweislich Geld aus der fossilen Industrie erhalten hat.
Auf dem Podium sollen neben Taylor der Wiener FPÖ-Chef Dominik Nepp, Gerald Zmuegg von der Freiheitlichen Wirtschaft Wien sowie der Unternehmer und Politblogger Gerald Markel diskutieren. Eröffnet wird der Abend vom Wiener FPÖ-Klubobmann Maximilian Krauss. Inhaltlich bedient die FPÖ damit ein Narrativ, das sie seit geraumer Zeit in der Klimadebatte verwendet: Klimaschutzmaßnahmen werden als „Klimakommunismus“ adressiert und damit als ideologisch motivierte, wirtschaftlich schädliche Eingriffe gerahmt. Im Zentrum der Veranstaltung steht laut Ankündigung nicht die Abrechnung mit den Kosten der aktuellen Klimaauswirkungen, sondern mit jenen einer ambitionierten Klimapolitik.
Die Einladung Taylors fällt in ein Jahr, das in Europa und Österreich von außergewöhnlichen Wetterextremen geprägt ist. 2026 brachte neue Temperaturrekorde, eine hohe Zahl an Hitzetagen und Tropennächten und eine sich seit dem Frühjahr verschärfende Trockenheit. In der Landwirtschaft werden die Hitzeschäden europaweit auf 14 bis 17 Milliarden Euro geschätzt, für Österreich beziffert die Hagelversicherung den Dürreschaden auf rund 1 Milliarde Euro. Die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) meldet zudem eine Rekordzahl an Hitzetoten: Im Juni und Juli starben demnach 646 Menschen in Österreich an den Folgen der Hitze. Vor diesem Hintergrund kritisieren Gegner der Veranstaltung, die FPÖ ignoriere die realen Kosten und Risiken der Erderwärmung, während sie über vermeintliche Kosten von Klimapolitik diskutieren lässt.
Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) distanzierte sich in einer Stellungnahme deutlich von der inhaltlichen Ausrichtung des Abends. Die Stadt bekenne sich zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen über den menschengemachten Klimawandel und zu einer verantwortungsvollen Klimapolitik, betonte er. Positionen, die Klimaschutz pauschal als „Klimakommunismus“ diffamieren, lehne er ausdrücklich ab. Zugleich verwies Ludwig auf die Rolle des Rathauses als „Haus der Demokratie“: Den im Gemeinderat vertretenen Fraktionen stünden grundsätzlich Räumlichkeiten für Veranstaltungen zur Verfügung. Kritik kam auch von den Wiener Grünen, deren Vorsitzender Peter Kraus die Einladung Taylors als „Verhöhnung“ der Bevölkerung bezeichnete, die mit den Folgen von Hitze und Dürre konfrontiert sei, und den Bürgermeister aufforderte, zu prüfen, ob für eine derartige Veranstaltung tatsächlich Räume im Rathaus zur Verfügung gestellt werden sollten.