Fellner vor Bewährungsprobe: Kärntner FPÖ setzt auf Neuwahlen statt Schulterschluss

07.04.2026


In Kärnten steht ein politischer Wechsel an der Spitze des Landes bevor: Der Landtag wählt am Dienstag den 49-jährigen Daniel Fellner zum neuen Landeshauptmann. Der SPÖ-Politiker hatte bereits im September 2025 mit 96,36 Prozent der Delegiertenstimmen den Vorsitz der Kärntner Sozialdemokraten übernommen – ein außergewöhnlich starkes Mandat in einer Partei, die intern nicht gerade für bedingungslose Geschlossenheit bekannt ist. Nun folgt der nächste Schritt: Fellner tritt die Nachfolge von Peter Kaiser an und wird am Mittwoch von Bundespräsident Alexander Van der Bellen als Landeshauptmann angelobt.

Die Mehrheitsverhältnisse im Landtag sichern Fellners Wahl weitgehend ab. Mit den Stimmen von SPÖ und ÖVP ist seine Kür zum Landeschef rechnerisch fix. Offen bleibt jedoch, ob der neue Landeshauptmann auch Unterstützung aus der Opposition erhält. FPÖ-Landesparteichef Erwin Angerer hat bereits im Vorfeld öffentlich erklärt, Fellner nicht zu wählen, und stattdessen Neuwahlen gefordert. Das zeigt, dass Fellner zwar formal auf eine solide Basis bauen kann, politisch aber mit erheblicher Skepsis vor allem von freiheitlicher Seite konfrontiert ist.

Die Herausforderungen für den neuen Landeshauptmann reichen über die Abstimmung im Landtag hinaus. Dreimal in Folge hatte die SPÖ bei Landtagswahlen in Kärnten klar den ersten Platz erreicht. Ob dieses Ergebnis 2028 mit Fellner an der Spitze zu halten ist, bezweifeln Beobachter – und teilweise auch Parteifreunde. Dem Nachfolger Kaisers wird zwar ein ausgeprägter politischer Instinkt attestiert, zugleich gilt er jedoch als weniger intellektuell und eloquent als sein Vorgänger. Entscheidender noch als Persönlichkeitsdebatten ist die politische Großwetterlage: Die FPÖ befindet sich österreichweit im Höhenflug, in Kärnten erreichte sie bei der Nationalratswahl 2024 38 Prozent, während die SPÖ lediglich auf 23 Prozent kam.

Vor diesem Hintergrund wird Fellner versuchen müssen, sich möglichst rasch einen Landeshauptmann-Bonus zu erarbeiten, um der blauen Welle etwas entgegenzusetzen. Wie riskant Übergangsphasen an der Spitze von Landesregierungen sein können, haben andere Bundesländer bereits gezeigt. Im Kärntner Landtag deutet sich derweil an, dass die politische Auseinandersetzung um die künftige Ausrichtung des Landes weiter an Schärfe gewinnt. Noch vor der Wahl Fellners debattiert das Plenum in einer aktuellen Stunde über den Ausbau direkter Demokratie – ein Thema, das vom Team Kärnten auf die Tagesordnung gesetzt wurde. Die Partei um Gerhard Köfer fordert unter anderem ein gesetzliches Regelwerk für die Landeshauptleutekonferenz, die zwar rechtlich unverbindlich, in der Realität aber ein relevanter Machtfaktor ist. Für Fellner markieren diese Debatten den Beginn einer Amtszeit, in der er zwischen innerparteilicher Konsolidierung, wachsendem Druck der Opposition und einer zunehmend unzufriedenen Bevölkerung manövrieren muss.

Österreichische Zulieferer stärken europäische Beteiligung an Mondflug

03.04.2026


Bei der NASA-Mondmission Artemis 2 ist erstmals in größerem Umfang Technologie aus Österreich mit an Bord. Das Grazer Unternehmen Magna hat Hochdruckleitungen für die Flüssigtanks des Space Launch System (SLS) geliefert, mit dem die Orion-Kapsel der Mission ins All gestartet wurde. Parallel dazu steuert die Wiener Hightech-Firma TTTech zentrale Komponenten für die sicherheitskritische Datenkommunikation bei und ist damit in das Herzstück der Missionsarchitektur eingebunden.

An die von Lockheed Martin gebaute Orion-Kapsel ist das European Service Module (ESM) angedockt, für das die Europäische Weltraumorganisation ESA verantwortlich zeichnet. Gefertigt wird das Modul von Airbus in Bremen. In dem Servicemodul sind das Haupttriebwerk für den Anflug der Crewkapsel auf den Mond, die Systeme zur Temperaturregulierung und Stromversorgung sowie die Treibstofftanks untergebracht. Zudem lagern dort die Sauerstoff- und Wasservorräte für die vierköpfige Besatzung, die während der gesamten Mission in der Orion-Kapsel untergebracht ist.

Die von TTTech entwickelte Technologie stellt die sicherheitsrelevante Datenkommunikation aller Lebenserhaltungs- und Steuerungssysteme sicher und fungiert damit als eine Art zentrales Nervensystem für Orion und ESM. Das Flugsteuerungssystem der Kapsel kommt von Honeywell Aerospace, mit dem TTTech seit Jahrzehnten zusammenarbeitet. Am Ende der Mission werden sich Orion und ESM kurz vor der Rückkehr zur Erde trennen; das Servicemodul verglüht anschließend in der Erdatmosphäre.

ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher, der aus Österreich stammt, betonte in einer ersten Reaktion die Bedeutung der Mission für Europa: Artemis 2 bestätige die entscheidende Rolle Europas bei der Rückkehr der Menschheit zum Mond und der künftigen Erforschung des Weltraums. Die ESA sei stolz darauf, Seite an Seite mit ihren internationalen Partnern unter Führung der NASA zu stehen. Die Mission gilt damit auch als Signal für die industrielle Rolle Europas – und insbesondere österreichischer Zulieferer – in künftigen Mond- und Tiefraumprogrammen.