Hydrologen warnen: Folgen der Trockenheit reichen weit über den Sommer hinaus

08.10.2026


Österreich startet mit einem deutlichen Wasserdefizit in den Herbst. Der aktuelle Monatsbericht „Wasserhaushalt Österreich“ weist den September als erneut deutlich zu warm und zu trocken aus. Die Lufttemperatur lag österreichweit um 2,1 Grad über dem langjährigen Mittel, bis zum 9. September wurden vielerorts noch hochsommerliche Werte von mehr als 30 Grad gemessen. Erst danach näherten sich die Temperaturen einem für die Jahreszeit typischen Niveau – die vorangegangene Hitze- und Trockenperiode wirkt jedoch weiter nach.

Beim Niederschlag zeigt sich das Defizit besonders klar: Mit rund 74 Millimetern fiel im September österreichweit um 29 Prozent weniger Regen als im Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2020. Besonders betroffen waren Vorarlberg, das Burgenland und die Steiermark, wo es deutlich zu wenig regnete. Auch die Schneebedeckung in höheren Lagen blieb für die Jahreszeit klar unterdurchschnittlich. Regionale Regenschauer konnten die Gesamtlage laut Bericht nicht wesentlich verbessern.

Die Folgen sind an Oberflächengewässern deutlich sichtbar. An mehr als 95 Prozent der Pegelmessstellen lagen die Abflüsse in Flüssen und Bächen unter den langjährigen Monatsmitteln, etwas mehr als 80 Prozent der Messstellen wiesen sogar sehr niedrige Abflüsse auf. Auch größere Seen sind betroffen: Der mittlere Wasserstand des Neusiedler Sees lag Ende September nur noch vier Zentimeter über dem Niveau des Rekordtiefs von 2022, der Bodensee erreichte am Pegel Bregenz den niedrigsten je gemessenen Wert für diesen Zeitpunkt im Jahr.

Unter der Erde zeigt sich ein ähnliches Bild. Ende September meldeten österreichweit knapp 90 Prozent der Grundwassermessstellen niedrige oder sehr niedrige Stände. Landesweit war damit gegenüber Ende August kaum eine Entspannung erkennbar; in Tirol und Vorarlberg sanken die Pegel im Verlauf des Septembers sogar weiter, während in der Steiermark lediglich ein minimaler Anstieg registriert wurde. Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP) verwies auf die weitreichenden Folgen der Trockenheit: Die niedrigen Wasserstände in Flüssen, Seen und im Grundwasser zeigten, dass die Auswirkungen weit über den Sommer hinausreichen. Eine flächendeckende, qualitativ hochwertige Trinkwasserversorgung sei derzeit zwar gesichert, betonte Totschnig, zugleich mahnte er vorausschauendes Handeln und eine verlässliche Datengrundlage an, um Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und gezielt gegenzusteuern.

Die Aussichten auf eine rasche Trendumkehr sind begrenzt. Geosphere Austria rechnet nicht mit massiven, über längere Zeit anhaltenden Niederschlägen, die nötig wären, um die Wasserstände nachhaltig zu stabilisieren. Damit bleibt Österreichs Wasserhaushalt auch zu Beginn der kühleren Jahreszeit unter Druck – mit potenziellen Folgen für Landwirtschaft, Energieerzeugung und regionale Ökosysteme, sollten sich die trockenen Muster in den kommenden Monaten fortsetzen.

Frühstart in den Wahlkampf: Mikl-Leitner bleibt Spitzenkandidatin der ÖVP

08.10.2026


Die niederösterreichische Volkspartei hat mehr als drei Jahre vor der nächsten Landtagswahl zentrale Weichen gestellt und setzt dabei konsequent auf Kontinuität. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner wurde vom Landesparteivorstand einstimmig zur Spitzenkandidatin für den Urnengang Anfang Jänner 2028 nominiert. Damit vertraut die ÖVP erneut auf ihre langjährige Landeschefin, die den von ihr ausgerufenen „eigenständigen, niederösterreichischen Weg“ mit den Leitmotiven Leistung, Eigenverantwortung und Hausverstand fortführen will.

Flankiert wird Mikl-Leitner von einem weitgehend bekannten Spitzenteam. Zum siebenköpfigen Führungskreis zählen Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf, Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister, Landesrat Anton (Toni) Kasser, Landtagspräsident Karl Wilfing, Klubobmann Kurt Hackl sowie Landesgeschäftsführer Matthias Zauner. Der entsprechende Beschluss zur Landesliste fiel ebenfalls einstimmig. Innerparteilich soll das Signal innerer Geschlossenheit helfen, sich frühzeitig auf ein erwartbar knappes Duell mit der FPÖ einzustellen.

Bei der Wahlorganisation kehrt die Partei zu einem Modell zurück, das in den vergangenen Monaten intern intensiv diskutiert wurde: In den Regionalwahlkreisen entscheiden wieder Vorzugsstimmen über die Reihung der Kandidaten. Eine Besonderheit ist ein Bonus von fünf Prozent für amtierende Landtagsabgeordnete, berechnet auf Basis der im jeweiligen Wahlkreis abgegebenen ÖVP-Stimmen. Der Schritt verschafft etablierten Mandataren einen spürbaren Startvorteil gegenüber neuen Bewerbern und trägt zugleich der Mobilisierungsstärke einzelner Teilorganisationen wie dem Bauernbund Rechnung.

Politisch rückt die Landespartei neben der strategischen Wahlvorbereitung in den kommenden Monaten vor allem die Themen Wirtschaft, Arbeit, Gesundheit und Kinderbetreuung in den Vordergrund. Mit einer bereits eingerichteten Taskforce Wirtschaft sollen Genehmigungsverfahren beschleunigt und Verwaltungsabläufe im Land langfristig gestrafft werden. Der Gesundheitsplan 2040+ bleibt als groß angelegtes Reformprojekt im Zentrum der Regierungsarbeit. Im Hintergrund bleibt der Druck hoch: Bei der Landtagswahl 2023 war die ÖVP auf 39,93 Prozent zurückgefallen, die FPÖ hatte 24,19 Prozent erreicht; aktuelle Umfragen deuten auf einen weiter schrumpfenden Abstand hin und lassen für 2028 ein deutlich engeres Rennen erwarten, in dem neue Mehrheitskonstellationen möglich werden könnten.