Der Schweizer Arbeitsmarkt für künstliche Intelligenz wächst in hohem Tempo. Zwischen Juli 2025 und Juni 2026 wurden knapp 5000 KI-Stellen ausgeschrieben, wie eine am Donnerstag veröffentlichte Studie der Hochschule Luzern (HSLU) zeigt. Das entspricht einem Plus von 32 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Künstliche Intelligenz etabliere sich damit als Querschnittstechnologie in verschiedenen Branchen, heisst es in der Auswertung.
Besonders stark treiben kleine und mittlere Unternehmen (KMU) den Ausbau voran. Sie waren laut Studie für 76 Prozent des Stellenzuwachses verantwortlich. "KI ist nicht mehr nur Sache grosser Technologieunternehmen, sondern fliesst zunehmend auch in die Prozesse und Angebote etablierter KMU ein", wird Studienautor Curdin Derungs zitiert. Die Nachfrage konzentriert sich dabei auf erfahrene Fachkräfte, die KI-Systeme entwickeln und im laufenden Betrieb einsetzen können.
Branchenübergreifend liegt die IT-Industrie an der Spitze: Sie schrieb 1211 KI-Stellen aus, ein Zuwachs von 49 Prozent. Gleichzeitig suchen Banken und Versicherer wie Axa, Julius Bär und die Schweizerische Nationalbank verstärkt nach KI-Spezialisten. In der Pharmaindustrie treten Konzerne wie Roche, Novartis und Lonza als wichtige Arbeitgeber auf, während im Ingenieurwesen Unternehmen wie Siemens, Hitachi Energy und ABB die Nachfrage prägen. Den stärksten prozentualen Anstieg verzeichnet allerdings der öffentliche Sektor mit einem Plus von 67 Prozent. Zu den grössten staatlichen Arbeitgebern zählen der Kanton und die Stadt Zürich sowie das Bundesamt für Gesundheit (BAG). Derungs sieht darin ein Signal, dass Politik und Verwaltung ihr Vertrauen in KI als Zukunftstechnologie festigen.
Regional bündelt sich der Boom vor allem im Grossraum Zürich. Der Kanton vereinte mit 2181 Ausschreibungen rund 45 Prozent aller KI-Stellen in der Schweiz auf sich. Dahinter folgen Genf mit rund 620 und Bern mit rund 590 offenen Positionen. Während sich damit neue Chancen für qualifizierte Fachkräfte ergeben, bleibt der Einstieg für Berufseinsteiger anspruchsvoll: Gefragt sind vor allem Profile mit ausgewiesener Erfahrung, die bestehende Geschäftsprozesse mit KI-Anwendungen erweitern oder neu aufsetzen können.

Eine Podiumsdiskussion der Wiener FPÖ zum Titel „Der Preis des Klimakommunismus – Wer zahlt die Zeche?“ sorgt in der Stadtpolitik für erheblichen Wirbel. Die Freiheitliche Akademie Wien, das Freiheitliche Bildungsinstitut und der FPÖ-Rathausklub laden am 6. Oktober in die Volkshalle des Wiener Rathauses und holen dafür James Taylor, Präsident des US-amerikanischen Heartland Institute, nach Wien. Taylor gilt seit Jahren als prominenter Akteur der internationalen Szene, die den menschengemachten Klimawandel in Zweifel zieht, und steht seit Langem in der Kritik, weil seine Organisation nachweislich Geld aus der fossilen Industrie erhalten hat.
Auf dem Podium sollen neben Taylor der Wiener FPÖ-Chef Dominik Nepp, Gerald Zmuegg von der Freiheitlichen Wirtschaft Wien sowie der Unternehmer und Politblogger Gerald Markel diskutieren. Eröffnet wird der Abend vom Wiener FPÖ-Klubobmann Maximilian Krauss. Inhaltlich bedient die FPÖ damit ein Narrativ, das sie seit geraumer Zeit in der Klimadebatte verwendet: Klimaschutzmaßnahmen werden als „Klimakommunismus“ adressiert und damit als ideologisch motivierte, wirtschaftlich schädliche Eingriffe gerahmt. Im Zentrum der Veranstaltung steht laut Ankündigung nicht die Abrechnung mit den Kosten der aktuellen Klimaauswirkungen, sondern mit jenen einer ambitionierten Klimapolitik.
Die Einladung Taylors fällt in ein Jahr, das in Europa und Österreich von außergewöhnlichen Wetterextremen geprägt ist. 2026 brachte neue Temperaturrekorde, eine hohe Zahl an Hitzetagen und Tropennächten und eine sich seit dem Frühjahr verschärfende Trockenheit. In der Landwirtschaft werden die Hitzeschäden europaweit auf 14 bis 17 Milliarden Euro geschätzt, für Österreich beziffert die Hagelversicherung den Dürreschaden auf rund 1 Milliarde Euro. Die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) meldet zudem eine Rekordzahl an Hitzetoten: Im Juni und Juli starben demnach 646 Menschen in Österreich an den Folgen der Hitze. Vor diesem Hintergrund kritisieren Gegner der Veranstaltung, die FPÖ ignoriere die realen Kosten und Risiken der Erderwärmung, während sie über vermeintliche Kosten von Klimapolitik diskutieren lässt.
Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) distanzierte sich in einer Stellungnahme deutlich von der inhaltlichen Ausrichtung des Abends. Die Stadt bekenne sich zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen über den menschengemachten Klimawandel und zu einer verantwortungsvollen Klimapolitik, betonte er. Positionen, die Klimaschutz pauschal als „Klimakommunismus“ diffamieren, lehne er ausdrücklich ab. Zugleich verwies Ludwig auf die Rolle des Rathauses als „Haus der Demokratie“: Den im Gemeinderat vertretenen Fraktionen stünden grundsätzlich Räumlichkeiten für Veranstaltungen zur Verfügung. Kritik kam auch von den Wiener Grünen, deren Vorsitzender Peter Kraus die Einladung Taylors als „Verhöhnung“ der Bevölkerung bezeichnete, die mit den Folgen von Hitze und Dürre konfrontiert sei, und den Bürgermeister aufforderte, zu prüfen, ob für eine derartige Veranstaltung tatsächlich Räume im Rathaus zur Verfügung gestellt werden sollten.