Silvretta-Hochalpenstraße bleibt bis 2030 dicht – Tourismusregionen unter Druck

24.03.2026


Die Silvretta-Hochalpenstraße zwischen Partenen in Vorarlberg und Galtür in Tirol bleibt deutlich länger gesperrt als zunächst erwartet: Erst im Sommer 2030 soll die gut 22 Kilometer lange Verbindung für den öffentlichen Verkehr wieder öffnen. Eigentümer illwerke vkw begründet die Entscheidung mit einem umfassenden Sanierungs- und Sicherungskonzept, das nach mehreren Felsstürzen und Murenereignissen in den Jahren 2024 und 2025 notwendig geworden ist. Der Aufsichtsrat des Unternehmens hat das Langfristpaket inzwischen beschlossen.

Die Hochalpenstraße mit der auf 2.037 Metern gelegenen Bielerhöhe ist traditionell jeden Winter wegen Lawinen- und Steinschlaggefahr gesperrt und öffnete bislang meist Ende Mai oder Anfang Juni. Im Juli 2024 gingen jedoch ein Felssturz und eine Mure auf den Abschnitt zwischen den Kehren 13 und 14 nieder, weitere Schadensereignisse im Sommer 2025 legten zusätzliche Gefährdungsstellen offen. Seither blieb die Straße – abgesehen von wenigen Wochen – geschlossen. Geologische Modellrechnungen bildeten die Grundlage für das nun vorliegende Gesamtkonzept, das Straßenumlegungen und den Bau von Schutzdämmen in mehreren Bereichen vorsieht.

Der Zeitplan ist eng getaktet: Nach Abschluss der Detailplanung will illwerke vkw im Sommer 2026 in das Behördenverfahren einsteigen, ein Baubeschluss wird für März 2027 in Aussicht gestellt. Vorgesehen sind drei Bausaisonen von 2027 bis 2029, sodass eine Wiedereröffnung im Sommer 2030 möglich wäre. Für die Betreiber ist die Straße nicht nur touristisch, sondern auch für den Kraftwerksbetrieb von zentraler Bedeutung. Gleichzeitig hatten Spekulationen über ein mögliches endgültiges Aus der Hochalpenstraße die Region verunsichert; mit dem Aufsichtsratsbeschluss sehen lokale Vertreter darin nun ein klares Bekenntnis zum langfristigen Erhalt der Verbindung.

Besonders hart trifft die mehrjährige Sperre die auf Tagesgäste angewiesenen Betriebe entlang der Route. Gaschurns Bürgermeister und Montafon-Standesrepräsentant Daniel Sandrell sprach von einer „Hiobsbotschaft“ für alle Unternehmen, die auf die Frequenz der Gäste auf der Hochalpenstraße angewiesen sind. Gleichzeitig verweist er auf die Ergebnisse der geologischen Untersuchungen, die aus seiner Sicht keinen anderen Weg zulassen. Bei Montafon Tourismus werden die vielen Tagesausflügler und die direkte Verbindung nach Tirol bereits jetzt deutlich vermisst.

Während der langen Sperrphase sollen zumindest eingeschränkte Alternativen den Zugang zum Hochgebirge sichern. Wie schon in den vergangenen Jahren während der Sperren soll die Vermutbahn im Sommer in Betrieb sein und von Vorarlberger Seite einen Zugang zur Bielerhöhe ermöglichen. Von Tirol aus bleibt die Straße über das Paznaun während der Bauarbeiten im Sommer mautfrei befahrbar – allerdings ohne Durchbindung nach Vorarlberg. Für die Tourismusregionen auf beiden Seiten der Landesgrenze bleibt damit die Herausforderung, das fehlende Durchreisegeschäft über Jahre hinweg mit angepassten Angeboten und Strategien abzufedern.

Bund und Länder ringen um Neuordnung der Gesundheitskompetenzen

01.04.2026


Die Bundesregierung und die Bundesländer treiben die Neuordnung des österreichischen Gesundheitswesens voran. Im Rahmen der sogenannten Reformpartnerschaft sollen Bund, Länder und Gemeinden bis Ende 2026 Kompetenzen in den Bereichen Gesundheit, Energie, Bildung und Verwaltung neu ordnen. Besonders im Gesundheitsbereich ist der Handlungsdruck groß: Knappere Budgets und spürbare Lücken in der öffentlichen Versorgung setzen das System zunehmend unter Druck. Nach Angaben des Bundeskanzleramts laufen die Gespräche intensiv, eine politische Einigung wird bereits bis Juni 2026 angestrebt.

Im Zentrum der Verhandlungen steht die heikle Frage, wer künftig wofür zuständig ist. Für Aufsehen sorgte im Herbst der Vorstoß der Salzburger Landeshauptfrau Karoline Edtstadler (ÖVP), die dafür plädierte, die gesamte Gesundheitsagenden – inklusive der Spitäler – in die Kompetenz des Bundes zu überführen und im Gegenzug die Zuständigkeit für Bildung komplett an die Länder zu übertragen. Unterstützt wurde sie von den ÖVP-Landeshauptleuten Anton Mattle (Tirol) und Markus Wallner (Vorarlberg), die sich für eine Teil-Zentralisierung im Gesundheitsbereich und eine „zentrale Gesetzgebung im Spitalswesen“ aussprachen, allerdings unter Beibehaltung eines Mitspracherechts der Länder.

Parallel dazu sollen strukturelle Konfliktfelder bereinigt werden, etwa der seit Jahren schwelende Gastpatientenstreit, insbesondere zwischen Wien und Niederösterreich. Ein weiteres Kernstück der Reformpläne ist ein bundesweit einheitlicher Ärzte-Gesamtvertrag, um mehr Mediziner in das öffentliche System zu integrieren und die Abwanderung in die Privatmedizin zu bremsen. Für Patientinnen und Patienten soll sich das in kürzeren Wartezeiten auf Arzttermine und Operationen niederschlagen. Die SPÖ drängt zudem darauf, als problematisch empfundene Folgen der früheren schwarz-blauen Kassenzusammenlegung zu korrigieren und die Rolle der Privatmedizin einzuschränken.

Bei einem Spitzentreffen im Dezember einigten sich die Verhandler grundsätzlich darauf, ab 2027 ein österreichweit einheitliches System zur Patientenlenkung einzuführen. Ziel ist es nach den Worten von Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP), Wartezeiten zu verkürzen, Diagnosen zu beschleunigen und Operationstermine rascher zu vergeben. Wie das neue Steuerungsmodell im Detail aussehen und wie die Machtbalance zwischen Bund und Ländern am Ende justiert wird, ist noch offen – der politische Spielraum ist jedoch begrenzt, weil die Finanzierungslage und der öffentliche Druck auf ein funktionierendes Versorgungssystem kaum Verzögerungen erlauben.