
Der Konflikt zwischen Ryanair und der österreichischen Bundesregierung über die Luftverkehrssteuer spitzt sich zu. Die irische Billigfluglinie fordert, dass die Abgabe von 12 Euro pro Passagier bis zum 1. Mai vollständig abgeschafft wird. Nur dann will das Unternehmen seinen bereits im Herbst präsentierten Investitionsplan über 1 Milliarde US-Dollar umsetzen und zehn zusätzliche Flugzeuge in Wien stationieren. Bis dahin werde Wien im Wettbewerb mit kostengünstigeren Standorten ohne Luftverkehrssteuer, etwa in Schweden, der Slowakei oder bestimmten italienischen Regionen, weiter zurückfallen, argumentiert die Airline.
Ryanair-Manager Andreas Gruber kritisierte, die österreichische Regierung beschränke sich darauf, die Abgabe zu prüfen, statt sie wie andere europäische Länder ganz zu streichen. Die Gesellschaft verfolgt seit Jahren die Strategie, Regierungen und Flughäfen in öffentlichen Auseinandersetzungen unter Druck zu setzen, um Gebühren und Standortkosten zu senken. In Wien ist das Ultimatum nun klar formuliert: Ohne Steuerstreichung kein Ausbau des Angebots und keine zusätzlichen Maschinen.
Aus der österreichischen Politik kommt deutlicher Widerspruch. SPÖ-Verkehrssprecher Wolfgang Moitzi warf der Airline Erpressungsversuche vor und betonte, die Gesetzgebung liege weiterhin in der Hand des österreichischen Parlaments. Jeder noch so kleine Betrieb in Österreich zahle Steuern und Abgaben, daran habe sich auch ein internationaler Konzern wie Ryanair zu halten, sagte er. Die Forderungen der Fluglinie seien widersprüchlich: Einerseits verlange sie niedrigere Flughafengebühren, andererseits erwarte sie zugleich erhebliche öffentliche Investitionen in die Infrastruktur.
Der Streit in Wien findet vor einem breiteren europäischen Hintergrund statt. Auch in Deutschland wird über die Ausgestaltung der Luftverkehrssteuer gerungen, wo je nach Flugdistanz derzeit etwa 15 bis 70 Euro pro Passagier anfallen und eine Senkung auf ein früheres Niveau beschlossen wurde. Während Airlines steuerliche Entlastungen mit wettbewerbsfähigen Preisen und zusätzlicher Nachfrage begründen, verweisen Umweltverbände und Teile der Opposition auf die Klimawirkung des Luftverkehrs und kritisieren sowohl Abgabensenkungen als auch Forderungen nach vollständiger Abschaffung. Österreich steht damit exemplarisch für den Zielkonflikt zwischen Standortpolitik, Steueraufkommen und Klimaschutz, den Ryanair mit seinem Ultimatum weiter verschärft.

Auf Flächen in der Größe eines Einfamilienhaus-Grundstücks testen Forscherinnen und Forscher, wie sich sogenannte Miniwälder auf das Stadtklima auswirken. In Wien und anderen österreichischen Städten sollen die dicht bepflanzten Areale dazu beitragen, Siedlungsgebiete widerstandsfähiger gegen die Folgen der Klimakrise zu machen. Die Bodenkundlerin Cecilie Foldal vom Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) sieht in den Kleinstwäldern potenzielle Inseln der Artenvielfalt, die zugleich Lufttemperaturen senken sowie Wasser und Kohlenstoff speichern können. Präsentiert wurden die Arbeiten am Rande des 26. Österreichischen Klimatages, der von 8. bis 10. April in Wien stattfindet.
Die Versuchsanlagen entstehen auf 500 bis 1.000 Quadratmeter großen Flächen, die zuvor meist als karger Rasen genutzt wurden. Statt Einzelbäumen setzen die Teams auf eine hohe Pflanzdichte mit verschiedenen Baum- und Straucharten. Eingesetzt werden unter anderem Silberlinden, Purpurweiden, Ahornbäume und Hopfenbuchen. Hinzu kommen Eschen-Varianten, bei denen die Forschenden davon ausgehen, dass sie resistenter gegen den derzeit verbreiteten Pilzbefall sind. Ergänzt wird die Struktur durch Sträucher wie Weißdorn, Mehlbeere, Kornelkirsche und Quitte sowie diverse Rosenarten als Unterwuchs.
Die Pflanzen werden in Form kostengünstiger Jungware gesetzt, was laut Foldal nicht nur Materialkosten, sondern auch den Pflegeaufwand begrenzt. Nach einer mehrjährigen Phase der Aufzucht sollen die Miniwälder weitgehend ohne regelmäßige Eingriffe der Kommunen auskommen. Das mache das Konzept für Städte und Gemeinden finanziell interessant. Gleichzeitig setzt der Ansatz voraus, dass Anrainerinnen und Anrainer eine weniger „aufgeräumte“ Optik akzeptieren: Ein artenreicher Miniwald erinnere nach einigen Jahren eher an eine „Gstettn“, also ein scheinbar ungepflegtes, stark durchgrüntes Areal.
In Wien, Schwechat und Wiener Neustadt begleitet ein Forschungsteam die Entwicklung der neu angelegten Flächen engmaschig. Beobachtet werden Veränderungen bei der Artenvielfalt von Pflanzen, Vögeln, Nagern, Insekten und Mikroorganismen, aber auch die Menge des in Boden und Biomasse gespeicherten Kohlenstoffs. Zudem steht das Mikroklima im Fokus: Die Messungen sollen zeigen, in welchem Ausmaß die kompakten Wälder lokale Temperaturspitzen abmildern und Wasser im System halten können. Die Ergebnisse könnten darüber entscheiden, ob Miniwälder künftig flächiger in österreichischen Städten eingesetzt werden.